Oktober

Industrielle Landwirtschaft: Evolution rückwärts

„Die Hochleistungslandwirtschaft, die seit Jahrzehnten von einflussreichen Lobbyisten propagiert und politisch gefördert wird, ist gleichzeitig eine Verschwendungswirtschaft, die mehr Ressourcen verbraucht als sie an Werten schafft.

Sie erzeugt Milchkühe, um sie zu töten, bevor sie ihre beste Zeit erreicht haben, weil sie nicht schnell genug wieder tragend werden. Sie brütet jährlich vierzig Millionen Küken aus, um sie sofort nach dem Schlüpfen zu töten, weil sie als Brüder der Legehennen keinen ökonomischen Nutzen bringen. Sie züchtet Sauen, die mehr Ferkel gebären als sie aufziehen können.

Die Tiere, die sie produziert, gleichen gedopten Hochleistungssportlern. In ihrer natürlichen Umgebung sind sie oft nicht mehr lebensfähig. Eine Art Evolution rückwärts…..

Aber diese Art der Hightechtierproduktion hat sich durchgesetzt: Seit Jahrzehnten hält das Höfesterben an. Die meisten kleinen Höfe, die gegen den Trend zur Industrialisierung weiter gewirtschaftet haben, sind ruiniert. Mit ihrem Untergang geht wertvolles traditionelles Wissen verloren. Alte widerstandsfähige Nutztierrassen sterben aus, sortenfeste Gemüsesorten – also solche, die man nach der Ernte neu aussähen kann, über Zehntausende von Jahren der natürlichste Vorgang der Welt – gehen verloren. Und die Agrarunternehmer, die weitermachen, bauen immer größere Ställe mit immer mehr Tieren, die immer schneller fett und immer früher geschlachtet werden.“

Aus  dem Buch „Die Wegwerfkuh“ von Tanja Busse, Blessing Verlag, 2. Auflage 2015