September

Was Angst vor Arbeitslosigkeit bewirkt

Der Eindruck, dass diese Gefahr droht und keine Rettung in Sicht ist, bringt Menschen dazu, sich unbewusst bereits als Arbeitslose zu fühlen, bevor sie es sind. Diese Vorstellung müssen sie dann von sich weisen, sich von denen-da-unten abgrenzen, um sich selbst zu beruhigen.

Deshalb bringt die Angst vor der Arbeitslosigkeit Menschen dazu, weiterhin in die Fleischfabrik zu gehen, obwohl sie sich krank fühlen. Sie sorgt dafür, dass immer noch jeden Tag Frauen und Männer hinter Supermarktkassen sitzen, obwohl sie dort von Maskengegnern angehustet werden und von gestressten Kunden unfreundlich behandelt. Die Angst bringt Menschen dazu, im Homeoffice eine Präsentation vorzubereiten, obwohl das Kleinkind nach Spielplatz schreit und es draußen 30Grad hat. Die Angst sorgt also dafür, dass alle erledigen, was von ihnen verlangt wird.“

Aus „Der Wert des Nichtstuns“ von Anna Mayr in DIE ZEIT vom 13. August 2020