September

Terror von rechts darf kein Terror sein

Die Tat von München als eine Art Naturereignis

„Die schreckliche Tat von München, der Terrorangriff auf junge Leute, ist aus der großen Aufregung, die die Anschläge von Ansbach und Würzburg ausgelöst hatten, verschwunden. Nachdem München für Stunden zur belagerten Stadt geworden war und kalkulierende Hysteriker schon das Ende des Rechtsstaats forderten, weil ein islamistischer Anschlag vermutet wurde, wurde es schnell ruhig, als sich herausstellte, dass der Täter kein Islamist war. Damit eignete sich die Tat nicht mehr für den Terrorkomplex…. Die allgemeine Schlussfolgerung: entsetzlich, furchtbar aber psychisch bedingter Amoklauf, eine Art Naturereignis, gegen das es nur bedingt Schutz gibt.

Wäre der Täter Islamist, hätte die psychische Komponente seiner Tat vermutlich niemanden sehr interessiert. … Nun ist der Täter kein Islamist, aber in den noch immer rassistischen Kategorien des hiesigen Zugehörigkeitsempfindens am Ende kein Deutscher. Und wer kein ‚richtiger‘ Deutscher ist und auch kein Dschihadist, hat einfach gar kein Tatmotiv. Dass so jemand unmöglich ein Rechtsextremist sein kann, weil er selbst ‚ausländische Wurzeln‘ hat, ist auch eine ziemlich dumme und rassistische Behauptung.

Nun hat sich aber genau das herausgestellt. Der Täter war ein Fan von Anders Breivik, der vor fünf Jahren 77 Menschen umbrachte und stolz auf seinen Rassismus war. Der Täter hat Einwanderer getötet und sein Zimmer war voll von rechtsextremem Propagandamaterial und Waffen. Er hat sich mit seinem Hass auf Türken und Araber gebrüstet und sich selbst dem arischen Herrenmenschentum zugerechnet. Mit anderen Worten: Der Mörder von München war doch ein Terrorist und zwar genau so, wie er es im Falle eines islamistischen Motivs gewesen wäre! Das Schweigen der Politik über diese Tatsache ist beunruhigend und gefährlich. …“

Auszüge aus der Kolumne „Das Sommerloch der Ignoranz“ von Anetta Kahane in der Frankfurter Rundschau vom 1. August 2016. Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.