Schaltet Gundremmingen endlich ab!

Deutschlands letzte Siedewasserreaktoren stehen zwischen Augsburg und Ulm

Nach der Natur- und Atomkatastrophe ging es plötzlich ganz schnell: Über acht deutsche Atom-Kraftwerke (die sieben ältesten und das neuere AKW Krümmel) wurde ein Moratorium verhängt, das die satten Laufzeitverlängerungen, die sie gerade erhalten hatten, für drei Monate außer Kraft setzte.

Unter diesen Kraftwerken ist das AKW Brunsbüttel, das – ebenso wie Krümmel – nach einer Serie von Pannen seit Jahren außer Betrieb ist. 2001 hatte es im Siedewasserreaktor Brunsbüttel eine Wasserstoffexplosion gegeben. Hätte die Explosion nur wenige Meter versetzt stattgefunden, wäre das Kühlsystem irreparabel leckgeschlagen worden. Dies wurde in einer Untersuchung festgestellt. Die Aufsichtsbehörde hatte vorher die Betreiber zum Abschalten zwingen müssen, damit die Untersuchung überhaupt stattfinden konnte.

Es ist zwar keineswegs sicher, aber es bestehen gute Chancen, dass die acht AKW dauerhaft vom Netz bleiben. In diesem Fall wären in Deutschland nur noch zwei Siedewasserreaktoren in Betrieb, und zwar die Blöcke B und C in Gundremmingen (Block A liegt seit einem Totalschaden im Jahr 1977 still).

Exkurs: Siedewasserreaktoren

In Wärmekraftwerken wird aus Wasser durch Wärmezufuhr Dampf erzeugt, der dann eine Dampfturbine antreibt. Die Drehbewegung wird auf einen Generator übertragen, der Strom erzeugt. Danach wird der Dampf wieder zu Wasser kondensiert und wieder in den Dampferzeuger geleitet. Das Wasser bewegt sich also im Kreis.

Bei Atomkraftwerken unterscheidet man zwei Reaktor-Typen: Beim Siedewasserreaktor (Bild  1) gibt es nur einen Kreislauf. Das Wasser, das von den Brennstäben, in denen die atomare Kettenreaktion abläuft, erhitzt wird, kommt zu Sieden, der Dampf wird in die Turbine geleitet. Beim Druckwasserreaktor (Bild 2) gibt es zwei Wasserkreisläufe. Im ersten Kreislauf, der mit den Brennstäben in Kontakt kommt, wird durch erhöhten Druck das Sieden, also die Dampfbildung verhindert. Das Wasser gibt über einen Wärmetauscher die Wärme an einen zweiten Wasserkreislauf ab. Hier entsteht der Dampf für die Turbine.

Bild 1: Siedewasserreaktor

siedewasserreaktor

Bild 2: Druckwasserreaktor

druckwasserreaktor

Im Unterschied zum Siedewasser-Reaktor hat der Dampf (in den Schemata rot dargestellt), der den Sicherheitsbehälter verlässt und in den Turbinenraum geht, also keinen direkten Kontakt zu den wärmeerzeugenden Brennstäben.

Siedewasserreaktoren wie in Gundremmingen sind unsicherer als Druckwasser-Reaktoren und zwar aus folgenden Gründen:

  • Da es nur einen Wasserkreislauf gibt, gelangen gasförmige radioaktive Stoffe aus Rissen in den Brennstäben direkt in die Turbine, also aus dem Inneren des Reaktors heraus.
  • Das Abklingbecken mit den gebrauchten hochradioaktiven Brennstäben liegt außerhalb des Sicherheitsbehälters.
  • Die Steuerstäbe zum Drosseln bzw. Abschalten werden von unten in den Reaktor hinein gefahren, bei Druckwasserreaktoren dagegen von oben Bei Versagen des Transportmechanismus kann man sie also einfach hineinfallen lassen.

Gundremmingen ist inzwischen der einzige Standort in Deutschland, wo noch zwei Reaktorblöcke in Betrieb sind.

Da wir ohnehin einen Stromüberschuss in Deutschland haben, obwohl zahlreiche Gaskraftwerke häufig still stehen, kann die Folgerung nur lauten:

Schaltet die beiden Siedewasserreaktoren in Gundremmingen rasch ab!