Wertinger Zeitung, 10.10.2006

Windkraft für Klimaschutz und Arbeitsplätze

Wertingen (pm)

Vortrag: Eduard Belotti sprach bei der Volkshochschule Wertingen

Eduard Belotti aus Augsburg sprach in einer Veranstaltung der Volkshochschule Zusamtal im Wertinger Schloss über Windkraft als Instrument des Klimaschutzes.

Das Stromeinspeisungsgesetz von 1989 und das inzwischen weltweit nachgeahmte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2000 hätten eine kräftige Zunahme des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Deutschland bewirkt. Ende 2007 waren dies 14,1 Prozent, davon war etwa die Hälfte Windstrom. Die deutlich teurere Photovoltaik trete zwar inzwischen optisch stark in Erscheinung, trage aber weniger als ein Prozent zur Stromerzeugung bei.

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Naturwissenschaftliche und technische Grundlagen erläutert

Der Referent erläuterte die naturwissenschaftlichen und technischen Grundlagen der Stromerzeugung aus Windkraft und die Einflussfaktoren auf den Stromertrag. Da bewegte Topographie sowie Vegetation und Bebauung den Wind in Bodennähe abbremsten, sei es im Binnenland besonders wichtig, hohe Windkraftanlagen zu bauen.

Unter diesen Voraussetzungen gebe es auch in Bayern Windstrom-Erträge wie an der Küste, wie Belotti anhand realer Beispiele nachwies.

Der bayerische Beitrag zur Windstromerzeugung sei noch ausbaufähig. Mit 387 Megawatt (MW) installierter Windleistung sei Bayern heute das Schlusslicht unter den Flächenstaaten. Das viermal kleinere Rheinland-Pfalz bringe es auf 1122 MW. Dort seien die Windverhältnisse aber nicht grundsätzlich anders als in Bayern. Das Binnenland biete also noch sehr viel Potential für weitere große Windkraftwerke.

Dagegen seien die Hoffnungen auf bedeutende Beiträge der Windkraft aus der deutschen Nord- und Ostsee verfrüht gewesen. Hier habe die anfängliche Vergütung für den Strom auf 14 Cent pro Kilowattstunde hochgesetzt werden müssen, damit das Geschäft in Gang komme. Neue Windkraftanlagen an Land erhalten für die Kilowattstunde nur acht Cent.

Es sei wichtig, dabei dem Vogelschutz Rechnung zu tragen. Es gebe aber nur wenige Vogelarten, die störungsanfällig beziehungsweise gefährdet seien. Die einzige im Süden wichtige Vogelart mit starker Gefährdung durch Windkraftanlagen sei der Rotmilan.

Deutschland sei der wichtigste Produzent von Windkraftanlagen. Die 82 000 Beschäftigten in der Branche und ihren Zulieferern (etwa SGL Carbon) arbeiteten jedoch inzwischen hauptsächlich für den Export.

Neben dem Klimaschutz seien auch die Arbeitsplätze ein wichtiges Argument für weitere Windkraftanlagen bei uns.