Wertinger Zeitung, 28.03.2008

Wertinger Weltladen: Geld fair anlegen

Im Schloss: Engagement für Entwicklungsländer gefordert

Wertingen (pm)

Die VHS Zusamtal und der Weltladen-Verein Wertingen luden im Rahmen der „Fairen Wochen 2006“ ins Wertiner Schloss zu einem Vortrag mit dem Titel „Geld fair anlegen“.

Der Referent, Dr. Eduard Belotti, ein Finanzberater aus Zusamaltheim und ehrenamtlicher Mitarbeiter im Weltladen Wertingen, wies auf die Parallele zwischen dem Einkauf im Weltladen und der ethisch verantwortungsbewussten Geldanlage hin: In beiden Fällen verfolgt der Kunde die Absicht, mit seinem Geld positive Entwicklungen im Sozial- und Umweltbereich zu fördern. Gleichzeitig handelt es sich aber um ein Geschäft: Der Kunde bezahle einen fairen Preis und habe Anspruch auf eine faire Gegenleistung.

Ohne Arbeitsschutz

Im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Belotti standen die Lebensbedingungen der Menschen in den armen Ländern, aus denen wir Agrarprodukte, Rohstoffe und Textilien beziehen.

Die Menschen, die für uns Kaffee, Tee und Ananas anbauen oder Hemden nähen, tun dies zu großen Teil bis heute unter erschreckenden Arbeitsbedingungen: Arbeit bis zu 16 Stunden am Tag unter drückender Hitze und bis spät in die Nacht ohne ausreichende Pausen sind an der Tagesordnung. Arbeitsschutz und Sicherheitsbestimmungen sind häufig nicht vorhanden, in anderen Fällen werden sie nicht eingehalten.

Der faire Handel meidet ausbeuterische Firmen. Er kauft direkt bei den organisierten Erzeugern und zahlt einen Preis, der ein Leben in Würde und ohne Armut ermöglicht. Genauso kann man vermeiden, in solche Firmen zu investieren und es dort anzulegen, wo die Rechte der Menschen in den armen Ländern geschützt werden.

Eine Möglichkeit ist die Auswahl von Investmentfonds, die ethische Kriterien bei der Geldanlage berücksichtigen. Hier gelte es aber, genau hinzuschauen, führte Belotti aus: Einerseits sind die Kriterien bei den Fonds sehr unterschiedlich. Zudem ist von großer Bedeutung, wie die Einhaltung dieser Kriterien kontrolliert wird. Unabdingbar ist ein unabhängiges Kriterium von Umwelt- und Sozial-Experten, das bei der Auswahl der Wertpapiere für den Fonds entscheidend mitspricht.

Für eine differenzierte Betrachtungsweise sprach sich der Referent beim Thema Kinderarbeit aus. Er nannte Beispiele, wo durch Ächtung der Kinderarbeit in der Textilindustrie Kinder in viel schlimmere Arbeit gedrängt wurden. Wenn nicht gleichzeitig die Ursachen – Armut und schlechte Qualität der Schule – abgeschafft würden, hätten solche Maßnahmen nicht den beabsichtigten Erfolg.

Als weitere Möglichkeit neben Investmentfonds nannte Dr. Belotti die Anlage in Institutionen, die Mikrokredite vergeben. Das sind Darlehen von oft weniger als hundert Dollar, die es Mittellosen ermöglichen, als Bauern, Handwerkern oder Kleinhändlern eine eigene Existenz zu begründen. Diese Klientel wird von normalen Banken – sofern es sie in diesen Ländern überhaupt gibt – nicht bedient.Wieder wurde eine Parallele zu fairen Handel deutlich. Der Kreis der Mikrokreditnehmer ähnelt dem der Agrarproduzenten für die Weltläden. In einem Film zeigte Dr. Belotti den Aufbau einer Mikrokredit-Bank im Kongo.

Zuverlässige Rückzahler

Die Mikrokredit-Bewegung wurde in der 70er Jahren in Bangla Desh begründet. Seither haben sich die Klein-Kreditnehmer, unter denen die Frauen stark überwiegen, als besonders zuverlässige Rückzahler erwiesen.

„Wer die Augen offen hält, kann also auch bei der Geldanlage für bessere Bedingungen in den armen Ländern sorgen“, resümierte Belotti.