Donau Zeitung, 27.09.2007

Fair investieren hilft Kindern

Bundesweite Aktion Faire Woche in der Stadtbücherei Dillingen

Dillingen (pm)

Bundesweit fand die sechste Faire Woche unter dem Motto Afrikanissimo – entdecke die Vielfalt starke Beachtung. In Dillingen ragen dabei die Gemeinschaftsveranstaltung der Stadtbücherei Dillingen, VHS und dem Weltladen mit dem Vortrag über ethische Geldanlagen heraus. Zum Weltkindertag waren Möglichkeiten, arbeitende Kinder in armen Ländern zu unterstützen, Schwerpunkt des Vortrags.

Wie der Verbraucher mit der Wahl seiner Geldanlage zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in armen Ländern beitragen kann, erläuterte überzeugend der Referent Dr. Eduard Belotti, Spezialist für ethische Kapitalanlagen aus Augsburg (www.zukunftsinvestitionen.com).

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„Viele Kinder arbeiten deshalb, weil sie keine Eltern oder
andere erwachsene Angehörige mehr haben“
Dr. Eduard Belotti

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Kinderarbeit sei sehr differenziert zu betrachten und habe vielfältige Ursachen. Viele Kinder arbeiten deshalb, weil sie keine Eltern oder andere erwachsene Angehörige mehr haben, so Dr. Belotti. Dies sei etwa in Regionen mit Bürgerkrieg häufig. Oder die Familie sei so arm, dass sie ohne den Beitrag der Kinder schlicht nicht überleben könne. Zum Teil seien die Schulen aber auch sehr schlecht erreichbar oder von geringer Qualität.

cotton
Mädchen beim Kreuzen von Baumwolle in Südindien.
Quelle: Coordination gegen BAYER-Gefahren (www.CBGnetwork.org)

Verbote und Boykottaufrufe allein helfen hier nicht, da sie die Ursachen für Kinderarbeit nicht beseitigen. Dabei nannte er das Beispiel Bangladesh, wo durch Ächtung der Kinderarbeit in der Textilindustrie Mädchen in viel schlimmere Arbeit – bis hin zur Prostitution – gezwungen wurden.

Niedriges Einkommen und Wucherzinsen

Häufig sei Kinderarbeit in Gebieten, in denen es noch Schuldknechtschaft gebe, etwa in Südindien in der Produktion von Baumwollsaatgut. Niedriges Einkommen und Wucherzinsen hielten Menschen ein Leben lang in der Verschuldung gefangen. Die Schulden gingen dann auf die Kinder über. Einen Ausweg könne ein Kredit zu fairen Bedingungen bieten, wie er von den Mikrokredit-Banken angeboten werde. Die Idee, die es Mittellosen ermöglicht, als Bauern, Handwerker oder Kleinhändler eine eigene Existenz zu begründen, geht auf den Gründer und Friedensnobelpreisträger von 2006, Professor Muhammad Yunus, zurück.

Mikrokredite sind Darlehen von oft weniger als 100 Dollar. Diese Summen sind normalen Banken – sofern sie in diesen Ländern überhaupt existieren – meist zu gering. Zudem geben sie keine Kredite an diese Menschen, die keine Sicherheiten zu bieten haben – außer ihrer Arbeitskraft.

Abschließend zeigte der Referent die durchaus rentablen Möglichkeiten auf, in Mikrokredite zu investieren. Dies sei über Anleihen, Genossenschaften oder Investmentfonds möglich.

Rege Diskussion der Besucher

Nach dem Film Mikrokredite, der den Aufbau einer Mikrokredit-Bank in Kinshasa plastisch beschreibt, endete der Vortrag mit einer regen Diskussion der Besucher.