Donau Zeitung, 15.09.2009

Klimaschutz durch Atomkraft?

Gottmannshofen (pm)

Auf Einladung von Bündnis 90/Die Grünen referierte Dr. Eduard Belotti aus Augsburg im Landgasthof Stark in Gottmannshofen zum Thema „Klimaschutz durch Atomkraft?“

Beim Betrieb der Atomreaktoren falle kein Kohlendioxid an, sagte der Referent. Die Urangewinnung sei aber so energieintensiv, dass je nach Herkunft des Urans bei deutschen Atomreaktoren 31 bis 61 Gramm pro Kilowattstunde erzeugten Strom anfielen – mit steigender Tendenz, da die Uranlagerstätten immer unergiebiger würden. Damit seien sie zwar viel klimafreundlicher als Kohlekraftwerke, aber nicht so klimafreundlich wie etwa die Windenergie.

Zwei Drittel als Abwärme

Ein großes Manko der Großkraftwerke sei, dass zwei Drittel der Energie als Abwärme die Umwelt belaste. Im Sommer müssten sie wegen Wassermangel immer wieder abgeschaltet werden – das sei in Zukunft voraussichtlich öfter der Fall. Wegen dieser Energieverschwendung sei die CO2-Bilanz von Atomkraftwerken nicht besser als die von Erdgas-Blockheizkraftwerken, deren Abwärme genutzt werde.

Der Anteil der Atomkraft am weltweiten Energieverbrauch sei mit zwei Prozent so gering, dass ihr Beitrag zum Klimaschutz nur sehr gering sein könne.

Die Entlastung des Klimas sei also gering, die Probleme, die die Atomkraft mit sich bringe, seien dagegen groß und – wie im Fall des Atommülls – kaum zu bewältigen. Die Eignung von Salz für ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle sei unter Geologen umstritten, Gorleben insbesondere sei ungeeignet, weil das Salz nicht durch undurchlässige Deckschichten vor Wasser geschützt sei. Einwände von Geologen seien über Jahrzehnte ignoriert worden.

Gegen die weitere Nutzung der Atomkraft spreche auch die Kinderkrebsstudie. Diese Studie, auf deren Methodik sich Atomkraftgegner und -befürworter im Vorfeld geeinigt hätten, zeige einen statistisch hoch signifikanten Zusammenhang zwischen Nähe zum Atomkraftwerk und der Häufigkeit von Kinderkrebs. Andere Risikofaktoren seien ausgeschlossen worden.

Dass der bereits bedeutende Anteil der erneuerbaren Stromquellen weiter gesteigert werden müsse, sei Konsens. Dies sei aber mit der Atomkraft nicht vereinbar. Gebraucht würden vielmehr flexiblere Kraftwerke, deren Leistung reduziert werden könne, wenn der nicht konstant anfallende Strom aus erneuerbaren Energiequellen eingespeist werde. Zum Ausgleich von Erzeugung und Bedarf müsse natürlich auch Stromspeicherung eingesetzt werden. Als zusätzliche Möglichkeit zeichneten sich Elektro-Autos und ihre Batterien ab.