Mai

Offenes Deutschland: Es ist vorbei

 „Es ist vorbei. Angela Merkel regiert wie vor dem großen Sündenfall, als sie die Flüchtlinge ins Land ließ. Die ertrinken jetzt wieder im Mittelmeer oder verrotten in Camps zwischen den Grenzen. Ihre Hoffnungen auf Freiheit, auf ein Leben ohne Chaos und Tod liegen als verschrumpelte Reste billiger Schwimmwesten an den Stränden um Europa herum.

Frau Merkel hat es versucht. Und sie hatte gute Gründe dafür, die Flüchtlinge hereinzulassen. Der Beste davon war, nicht einfach zuzusehen oder schlimmer: wegzusehen, wie Menschen auf der Flucht verrecken. Einige Monate lang zeigte sich Deutschlands Gesicht mehr offen und freundlich als hässlich und gemein.

Nun haben sich am Ende die durchgesetzt, denen Menschenrechte egal sind, wenn es nicht um sie selbst geht. Sie sind lauter, und es ist viel, viel einfacher, ‚Grenzen zu!‘ zu schreien, als die Offenheit in Politik und Gesellschaft zu gestalten.

Die neuen Deutschen sind längst multi-ethnisch oder/und global unterwegs, und die Migranten der dritten Generation gehören, trotz aller Widrigkeiten, selbstverständlich zum Alltag.

Auf sie hätte Frau Merkel mehr setzen sollen als auf neuen und alten Rassisten.“

Auszüge aus der Kolumne „Die neuen Deutschen“  von Anetta Kahane in der Frankfurter Rundschau vom 25. April 2016. Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.