März

„Ein giftiger Nebel des Misstrauens“

Der entwürdigende Kampf um Arbeitslosenunterstützung

„Während Beschäftigte auf dem Arbeitsmarkt ihre Stärken zeigen sollen, erwarten die Sozialdienste von Hilfeempfängen, ihre Defizite nachzuweisen, ein ums andere Mal zu belegen, dass eine Krankheit sie tatsächlich arbeitsunfähig macht, dass sie durch eine Depression ausreichend behindert sind und dass ihre Aussichten auf einen Arbeitsplatz wirklich miserabel sind. Gelingt ihnen der Nachweis ihrer Untauglichkeit nicht, werden ihnen die Leistungen gekürzt. Formulare, Interviews, Kontrollen, Einsprüche, Bewertungen, Konsultationen und noch mehr Formulare: Für jeden Antrag auf Unterstützung gibt es ein entwürdigendes Verfahren, das sehr viel Geld verschlingt. ‚Privatsphäre und Selbstachtung werden auf eine Art und Weise mit Füßen getreten, die für jemanden außerhalb des Sozialsystems unvorstellbar ist‘, erklärt ein britischer Sozialarbeiter. ‚Es wird ein giftiger Nebel des Misstrauens erzeugt.‘

Das ist kein Krieg gegen die Armut, sondern ein Krieg gegen die Armen.“

Auszug aus dem Buch „Utopien für Realisten“ von Rutger Bregman, Rowohlts Taschenbuchverlag, 7. Auflage 2020, Seite 99-100.