Januar

Maß und Mitte und die Radikalität der Realität

„Die Lehren aus dem deutschen Wahnsinn führten nach 1945 zur ‚Maß und Mitte‘-Kultur- und –Politik, mit der die Bundesrepublik 70 Jahre lang im Wesentlichen gut beraten war. Aber der Erderwärmung ist mit ‚Maß und Mitte‘ nicht beizukommen, sondern nur mit einer Politik, die der Radikalität der Realität angemessen ist, das ist ein zentraler und richtiger Gedanke des Zeit-Journalisten Bernd Ulrich.

Das bedeutet aber nicht, dass die sozialökologischen Entscheidungen jenseits der demokratischen Mehrheit fallen können oder gar müssen. … Es bedeutet, dass ‚Maß und Mitte‘ entsprechend verschoben werden müssen, dass Klimapolitik auf Problemhöhe eben nicht als radikal gilt, sondern als normal.“

Aus dem Artikel „Sich der Radikalität der Realität stellen“ von Peter Unfried in der „tageszeitung“ vom 28./29. Dezember 2016

Thema verfehlt beim Kohleausstiegsgesetz

„Es gibt kein wissenschaftliches Szenario für Deutschland, den Stromverbrauch ohne massiven Zubau von Windenergie, auch an Land, auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umzustellen. Die nun im Entwurf (des Kohleausstiegsgesetzes, E.B.) vorgesehene Abstandsregel zu allen Siedlungen von fünf und mehr Gebäuden würde den Neubau von Anlagen praktisch zum Erliegen bringen und den Ersatz alter durch neue, bessere Anlagen … ausbremsen. Die Erneuerbaren-Energien-Ziel für 2030 – 65 Prozent des Strombedarfs – lassen sich so nicht erreichen. Auch für die Zukunftsindustrie Windenergie ist das ein Desaster. 2017 verlor Deutschland 26.000 Arbeitsplätz in der Windbranche.“

Aus dem Kommentar „Mutiert das Kohleausstiegs- zum Windausstiegsgesetz?“ von Christoph Bals in „Weitblick“ 4/2019. „Weitblick“ ist die Zeitschrift der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.