Läuterung bei Heckler & Koch?

Ein Mitarbeiter der Waffenschmiede Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar („Deutschlands tödlichstes Unternehmen “nach Jürgen Grässlin) hat am 28. November im Gespräch mit der dpa angekündigt, die Firma wolle nur noch „solide“ Länder mit Waffen beliefern. Das seien demokratische Länder, die nicht korrupt seien und in der NATO seien oder ihr nahe stünden. Der Mitarbeiter wollte anonym bleiben.

Der bekannte Rüstungsgegner Jürgen Grässlin, der am 10. Dezember den Stuttgarter Friedenspreis erhalten wird (s. Termine) hat das Interview analysiert.

Nachfolgend einige Auszüge (Hervorhebungen im Original). Die komplette Analyse findet sich unter www.aufschrei-waffenhandel.de/Heckler-Koch.127.0.html#c8135

 

„…Die angekündigte Neuausrichtung der H&K-Geschäftspolitik bezieht sich ausschließlich auf Neugeschäfte. Zudem lassen die – teilweise begrüßenswerten – Ankündigungen des H&K-Anonymus viel Spielraum. Mit keinem Wort wird ein Verbot von Lizenzvergaben versprochen. Dabei stellen Lizenzvergaben (Vergabe von Blaupausen, Aufbau ganzer Werke mit Produktionslinien, massenhafte Fertigung von Kleinwaffen im Land der Lizenznehmer) die folgenschwerste Form des Rüstungsexports dar. Aufgrund des Nachbaus in 15 Ländern ist das Schnellfeuergewehr G3 heute mit rund 15 Millionen verbreiteten Exemplaren auf den Schlachtfeldern des Welt die Nummer 2 nach der Kalaschnikow.

Auch Umgehungswege, z.B. der zukünftige Export an „gelbe“ oder „rote“ Länder über die US-Tochter HECKLER & KOCH Defence in Ashburn/Virginia in den USA, sind in keinster Weise ausgeschlossen.

Die Nagelprobe, ob es Heckler & Koch zukünftig ernst meint mit der ausschließlichen Belieferung „solider Länder“ („… also zweifelsfrei demokratisch, eindeutig nicht korrupt und in der Nato oder Nato-nah…“) ist Saudi-Arabien. Das wahhabitische Herrscherhaus in Riad unterdrückt die Demokratiebewegung auch mit H&K-Waffen im eigenen Land, steht in engem Kontakt zu Terrororganisationen wie dem „Islamischen Staat“ und führt seit März 2015 Krieg gegen den Jemen mit tödlichen Folgen für die Zivilbevölkerung.

Saudi-Arabien hat 2008 eine G36-Gewehrlizenz erhalten, H&K hat die Errichtung der G36-Produktionslinie bei der staatlichen saudischen Firma MIC umgesetzt. Seither verfügen die menschenrechtsverletzenden und kriegführenden Militärs Saudi-Arabiens über Abertausende von Sturmgewehren. Allerdings muss H&K zur Aufrechterhaltung der G36-Produktion Bauteile für Gewehre … zuliefern, die lediglich im Oberndorfer Stammwerk gefertigt werden dürfen.

Hier hat sich der H&K-Anonymus eindeutig negativ positioniert. Laut dpa wolle man „alten Verpflichtungen“ nachkommen, „heißt es aus der Firma. Rein betriebswirtschaftlich ist das verständlich – in Saudi-Arabien hat H&K millionenschwere Sicherheiten hinterlegt.“

So leistet H&K also weiterhin Beihilfe zu Mord – in diesem Fall durch saudische Sicherheitskräfte mit H&K-Waffen.