Klimawandel in unseren Hintergärten

Während des Extremsommers 2018 wurden unsere etablierten und festgefahrenen Sehgewohnheiten und Sichtweisen auf den Klimawandel brüchig. Man könnte sagen, dieser Sommer hat weniger zu einem Umdenken in der Klimadebatte geführt als zu einem Umfühlen.

Die Bedeutung des Sommers 2018 ist in meinen Augen unabhängig von der wissenschaftlichen Frage, ob oder mit welcher Wahrscheinlichkeit der Klimawandel wirklich die Ursache der Hitzewelle war. Dieser Sommer fühlte sich an wie eine Heißzeit und er sah aus wie eine Heißzeit. Nach wochenlanger Hitze erschien der Klimawandel in diesem Jahr plötzlich nicht mehr als etwas, das auf anderen Kontinenten oder in der Zukunft stattfindet, sondern in unseren Hintergärten.

Auszug aus dem Essay “Das neue Klimanarrativ“ des Politikwissenschaftlers und Klimafolgenforschers am Institut für Friedens-und Konfliktforschung der Uni Hamburg Delf Rothe (taz.de 30.12.2018)