November

Klimaschutz: 1,5-Grad-Ziel!

Azizul Islam (50), beim Wiederaufbau eines gebrochenen Damms
Tagelöhner
Chadnimukha, Gabura, Bangladesch

Ich bin hier, um diesen Damm wieder aufzubauen. Er bricht oft, weil der Fluss den Lehm wegträgt.
Im letzten Jahr ist er zweimal gebrochen, und jedes Mal ist hier alles verwüstet. Wir haben kein Trinkwasser mehr, keine Bäume, keine Häuser. Alles haben wir an den Fluss verloren.

Unsere Häuser haben wir aus Lehm gebaut. Sie stürzen ein, wenn alles überschwemmt wird, und wir müssen sie wiederaufbauen. In den letzten zwanzig Jahren hat sich sehr viel verändert. Es gibt keine Bäume, weil sie, wie der Reis, im salzigen Wasser nicht gedeihen. Als ich noch ein Kind war, war Gabura ein sehr schöner Ort, aber jetzt hat sich die Insel verändert. Heute gibt es kein Vieh, kein Gras, keine Fische mehr, die wir essen können. Das kommt daher, dass der Wasserspiegel steigt. Meerwasser überschwemmt das Land. Die Pflanzen wachsen nicht mehr. Unser grünes Land verändert seine Farbe.

Ich kann hier nicht bleiben. In acht oder zehn Jahren wird Gabura im Wasser versunken sein. Deshalb ist es besser, wenn ich weggehe und meinen Lebensunterhalt anderswo verdiene.

 Aus: „Schicksale des Klimawandels“ Matthias Braschler und Monika Fischer (Fotografien), Jonathan Watts (Texte), HatjeCantz Verlag, Ostfildern 2011

Beim Klimagipfel in Paris Ende 2015 vereinbarten 196 Länder, dass Anstrengungen unternommen werden sollen, die Erhöhung der bodennahen Erdtemperatur auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, also das bisherige 2-Grad-Ziel noch zu verschärfen. Schon bei 2 Grad erleiden nämlich Mensch und Natur in besonders anfälligen Teilen der Erde schwer wiegende Schäden. Anzeichen dafür sind schon länger sichtbar. Dies dokumentieren die hier zitierten Beispiele aus dem Buch „Schicksale des Klimawandels“.