Klima und Natur: geopfert für Strom, den keiner braucht

Geplante Zerstörung des Hambacher Forsts durch den Braunkohle-Tagebau

Trotz der dringenden Appelle des Weltklimagipfels 2015 in Paris (s. auch „Zitat des Monats“ vom Februar 2016 auf dieser Web-Seite) soll die Förderung und Verstromung der besonders klimaschädlichen Braunkohle noch für Jahrzehnte weitergehen. Und das, obwohl wir bereits viele Jahre mehr Stromüberschüsse produzieren und umweltfreundlichen Ökostrom nicht in’s Netz lassen weil es durch „schmutzigen“ Strom verstopft ist. 2016 betraf das 3,7 Milliarden Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Energien.

Bildnachweis: D. Jansen/BUND

Aber Braunkohle schädigt mehrfach: das Klima bei der Verbrennung, Natur und Landschaft beim Abbau.

Im rheinischen Braunkohle-Revier trifft es ein besonderes natürliches Kleinod: den Hambacher Forst.
Der Landesverband Nordrhein-Westfalen des BUND beschreibt ihn auf seiner Web-Seite so: „Es handelt sich um naturnahe Wälder, deren Entwicklung seit der nacheiszeitlichen Wiederbewaldung nie unterbrochen wurde. Als besondere botanische ‚Spezialität‘ haben sich in diesem Wald noch natürliche Vorkommen von Winterlinden erhalten, die in der Wärmeperiode des Atlantikums vor etwa 3.000 bis 6.000 Jahren eingewandert waren.“


Bildnachweis: D. Jansen/BUND

Von den ursprünglichen 4.100 Hektar sind noch 660 vorhanden, davon 250 Hektar Maiglöckchen-Hainbuchen-Stieleichen-Wald. Der Forst soll bis 2040 für den Braunkohle-Abbau durch die RWE Power AG fast komplett verschwinden. Stattdessen werden dann „Berge“ aus Abraum und ein „See“, ein durch Versauerung bedrohtes Restloch das Landschaftsbild prägen.

Der Hambacher Forst spielt eine große Rolle für viele bedrohe Arten, etwa die Haselmaus. Die braucht artenreiche Wälder mit viel Unterwuchs von Beeren- und Haselsträuchern – wie etwa den Hambacher Forst. Von entscheidender Bedeutung ist auch, dass ihre Lebensräume vernetzt bleiben. Der fortgesetzte Kohleabbau würde nur wenige isolierte Inseln übrig lassen.

Laut BUND Nordrhein-Westfalen ist der Maiglöckchen-Hainbuchen-Stieleichen-Wald des Hambacher Forsts größer als alle Waldflächen dieses Typs, die von anderen Bundesländern als FFH-Gebiete (Naturschutzgebiete von europäischem Rang) gemeldet wurden. Da der Hambacher Forst nicht als solches angemeldet wurde, wird ihm von Behörden und Gerichten bisher kein Schutz gewährt – verkehrte Welt!