August

EU: Keine echte Solidarität

Vom Umgang mit Flüchtenden und ihren Rettern

Auszüge aus einem Interview der österreichischen Zeitung Der Standard (Ausgabe vom13./14. Juli 2019) mit Seawatch-Kapitänin Carola Rackete

Standard: … Auch Österreichs Altkanzler Kurz (ÖVP) hat es jüngst wieder für falsch erachtet, wenn Hilfsorganisationen gerettete Menschen nach Europa bringen, weil dadurch womöglich weitere Flüchtlinge angelockt werden. Bislang wurde nicht eindeutig widerlegt, dass NGO-Schiffe tatsächlich ein Pull-Faktor sind.

Rackete: Es gibt mehrere Studien, der Pull-Faktor wurde nicht widerlegt, das stimmt. Aber gleichzeitig wurde auch ein direkter Zusammenhang zwischen der Anwesenheit von Rettungsschiffen und dem Ablegen von Flüchtlingsbooten nicht bestätigt. Was meiner Meinung nach bestätigt wurde, ist: Je weniger Rettungsschiffe unterwegs sind, desto mehr Menschen sterben.

… Man weiß nicht, wie viele Menschen in den lybischen Lagern gestorben sind. Das ist auch in Faktor, den man auswerten müsste. Abgesehen davon, ist das grundsätzlich eine verquere Logik. Dann könnte man auch sagen: Je weniger Personal es für die Bergrettung gibt, desto weniger Unfälle gibt es.

….

Es gibt eben keine echte Solidarität in der EU. Den Ärger der Südländer kann ich total verstehen. Das ändert aber nichts daran, dass wir die Menschen retten müssen.