Februar

Jürgen Todenhöfer:
„Deutschland könnte in Myanmar Druck aufbauen“

Zur verzweifelten Lage der Rohingya in Myanmar

Foto: Imago

„Überall auf der Welt geschieht Schreckliches. Aber dass die Vernichtung einer ethnischen Gruppe in unserer Zeit noch möglich ist, ohne dass die Staatengemeinschaft einschreitet, ist einfach unfassbar. Ich verstehe nicht, warum europäische Politiker nicht viel mehr Druck ausüben. Die zivile Regierung von Myanmar hat zumindest versagt. Natürlich ist die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi als De-facto-Führerin der Regierung in einer schwierigen Lage. Ihr Einfluss auf die Armee ist begrenzt. Trotzdem müsste der Westen oder zumindest Europa sowohl der zivilen Regierung als auch den Militärs klarmachen: Wenn die Vertreibung nicht aufhört, wenn die Rohingya nicht zurückkehren können und sie nicht die gleichen Rechte erhalten wie alle anderen, dann kann es keine Integration in die internationale Staatengemeinschaft, keine Wirtschaftsbeziehungen geben.

Myanmars Militär legt großen Wert auf gute Verbindungen zu Deutschland. Auch die Bundesregierung hat also die Möglichkeit, politischen Druck aufzubauen. Und ich finde, auch die Verpflichtung. Wenn wir Menschenrechte ernst nehmen.“

Der Publizist und frühere CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer im Gespräch mit Tanja Brandes (erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 23. Oktober 2017)