Januar

Hilfe für Flüchtlinge: Da geht noch viel in Deutschland

„…Flüchtlinge aufzunehmen, ist eine Frage von Anstand und Ehre – das gilt heute und das gilt noch auf lange. Es kann ja sein, dass auch ein Land wie Deutschland eines Tages an die Grenzen seiner Belastbarkeit kommt. Dass es dann heißen wird: Grenze zu, Schutzzaun hoch, und man lässt die Massen abprallen, wie im Mittelalter die belagerte Burgbesatzung die Angreifer im Wassergraben ersaufen ließ.
In dieser krassen Form wäre es das hässliche Gesicht Wohlstands-Europas und man kann nur hoffen, dass es nie zu sehen sein wird; im Kleinen allerdings findet dieser Abschreckungsprozess tagtäglich statt. Über all das muss man gegebenenfalls reden, muss man einen großen moralischen Disput führen – wenn es denn ansteht, wenn es denn anstünde!

Von wegen „Das Boot ist voll“

Heute aber steht der Sozialstaat nicht vor dem Kollaps, sicher nicht. „Das Boot ist voll“ zu proklamieren, ist einfach lachhaft. Wer sieht, wie kleine Staaten sich bemühen, wen sie alles aufnehmen, was die Türkei leistet und der Libanon, dann muss man sagen: Da geht noch viel in Deutschland.“

Aus dem Essay ‚Ein Sturm braut sich zusammen‘ von Marc Beise in der ‚Süddeutschen Zeitung‘ vom 3./4. Januar 2015