Juli

Energiewende? Schön wär’s!

Warum das Strom-Überangebot nicht zu günstigen Preisen für normale Stromkunden führt

Auszug aus dem Interview „Nicht die Energiewende macht den Strom teurer, sondern die vermurkste Umsetzung“  von ECOreporter.de mit Prof. Dr. Claudia Kemfert, DIW Berlin vom 29.06.2017

„… das Überangebot lässt den Strompreis an der Strombörse … stark sinken. Infolgedessen steigt aber die so genannte EEG-Umlage. Die basiert auf einem paradoxen Effekt: Wer eine Wind- oder Solaranlage betreibt, bekommt dafür – je nach Art und Größe der Anlage – eine Einspeisevergütung in fixer, garantierter Höhe. Der Börsenstrompreis liegt in der Regel darunter, und die EEG-Umlage finanziert schlicht die Differenz zur Einspeisevergütung. Das Ergebnis: Je tiefer der Strompreis an der Börse sinkt, desto höher ist die EEG-Umlage. Also eigentlich ein kostenneutraler Weg zur Förderung der Erneuerbaren Energie. Für den Endverbraucher müsste das normalerweise zu stabilen Preisen führen.

Aber…

… aber die Politik hat den alten, ineffizienten Kohlekraftwerken eine Abwrackprämie zugestanden, und die wird jetzt auf den Strompreis aufgesattelt. Außerdem haben wir immer noch die Tatsache, dass energieintensive Unternehmen die EEG-Umlage nicht zahlen müssen. Sie profitieren also derzeit vom super-billigen Strompreis, weil die privaten Verbraucher ihren Anteil übernehmen müssen! Und letztlich gibt es noch den völlig überdimensionierten Netzausbau – paradoxerweise für den Überschuss an Strom, der erzeugt wird, weil die ineffizienten Kohlekraftwerke weiterarbeiten. Alles das zahlen die Verbraucher. Die Energiewende ist nicht wegen der Erneuerbaren teuer, sondern weil wir viel zu lange an der alten Infrastruktur festhalten.“