Mai

Diesel: Dreckschwein statt Sparschwein

Die Kumpanei zwischen Politik und Autobauern

„Theoretisch verbrauchen Dieselwagen laut Umweltbundeamt etwa 15 Prozent weniger als vergleichbare Benzinmotoren … In der Praxis aber gleichen immer größere und schwerere Motoren diesen Vorteil wieder aus: 2014 lag deshalb laut UBA der durchschnittliche CO2-Ausstoß den neuen Diesel-Pkws 2 Gramm pro Kilometer über den Werten der Benzinautos.“

Aus „Das Märchen vom Diesel“ von Bernhard Pötter in der „tageszeitung“ vom 21. April 2017, Seite 3.

„Das ‚Dreckschwein‘ Diesel wird … vor allem mit dem ungelösten Problem Stickoxid immer problematischer. Bald werden viele Städte diese Autos aussperren. Ob die Dieseltechnik, auf die vor allem deutsche Autobauer gesetzt haben, eine Zukunft hat, ist sehr fraglich.

Die Regierung, vor allem CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt, reagiert wie immer, wenn es um die Autobauer geht: schweigen und schützen. Statt die Konzerne zur Einhaltung der Grenzwerte zu zwingen, bekommen diese die volle Nachsicht der Behörden. Einer der wichtigsten deutschen Industrien nicht am Lack zu kratzen, ist so nachvollziehbar wie kurzsichtig.

Denn die schützende Hand der Politik verschont die Autobauer mit Anforderungen an Effizienz, Klimaschutz und Innovation, die auf dem Weltmarkt gefragt sind. Vielleicht sind die großen Konzerne in Stuttgart, Wolfsburg und München bald nur noch Verkaufshäuser von Mobilen, die im Silicon Valley und in China gebaut werden. Sollte in zehn Jahren die deutsche Autoindustrie so scheitern wie derzeit die Stromkonzerne, ist dafür auch die Bundesregierung verantwortlich.

Schon deshalb muss Schluss sein mit der Kumpanei zwischen Politik und Autobauern. Testergebnisse müssen öffentlich sein, Regeln müssen für alle gelten.

Auch ein Verkehrsminister bekommt sein Gehalt von den Bürgern, nicht von den Autokonzernen.“

Aus dem Kommentar „Nach dem Betrug kommt der Selbstbetrug“ von Bernhard Pötter in der „tageszeitung“ vom 21. April 2017, Seite 1.