Die ignorierte Katastrophe: Aushungerung des Jemen

Mehr als die Hälfte der Bewohner des Jemen sind laut einem Bericht der Vereinten Nationen vom Dezember nicht ausreichend mit Nahrung versorgt und etwas mehr als ein Drittel der Bevölkerung steht am Rande der Hungersnot und benötigt aktive Hilfe. Hunderttausende sind akut vom Tod bedroht.

Foto: UNICEF

Ursache ist der Bürgerkrieg im Jemen und vor allem die Blockade der Häfen, die Hilfslieferungen nicht in’s Land gelangen lässt. In den ersten 1.000 Tagen des Jemen-Krieges wurde fast 5.300 Zivilisten getötet, drei Millionen mussten aus ihren Häusern fliehen.

Der Hafen Al-Hudeida hat eine Schlüsselrolle in der Versorgung des Landes. Saudi-Arabien hat diesen Hafen blockiert und Verladekräne zerstört. Der gelieferte Ersatz war unzureichend und wurde nur mit einem vollen Jahr Verzögerung in’s Land gelassen. Noch immer wird also Hilfe für die Bevölkerung des Jemen durch Saudi-Arabien und seine Verbündeten behindert – mit katastrophalen humanitären Folgen.

Fast eine Million Menschen sind seit Ende März 2015 durch Cholera infiziert worden – dies ist der größte jemals verzeichnete Choleraausbruch. Und inzwischen gibt es auch Diphterie in 19 von 22 Provinzen.

Ein – schmutziges – Geschäft stellt dieser Konflikt für die deutsche Rüstungsfirma Rheinmetall dar. Um Exportbeschränkungen zu entgehen kauft und baut sie vemehrt Rüstungsfabriken im Ausland. „2010 erwarb Rheinmetall den italienischen Munitionshersteller S.E.I. (Socieda Explosivi Industriali) mit Werken im norditalienischen Ghedi und in Domusnovas auf Sardinien. Als RWM Italia S.p.a. stellt die Firma … Sprengstoffe her, produziert Marinemunition sowie – als derzeit wichtigste Produkte – Bomben der MK80-Serie und daraus abgeleitete Lenk- und bunkerbrechende Waffen. Die in den Jemenkrieg verwickelten Länder Saudi-Arabien und VAE waren in den letzten drei Jahren die wichtigsten Kunden für diese Waffen und damit für eine erhebliche Steigerung der Einnahmen auf deutlich über 50 Millionen Euro verantwortlich. Etwa zwei Drittel des Umsatzes von RWM Italia wurden den Geschäftsberichten zufolge mit diesen beiden Kunden gemacht. RWM Italia erwarb zudem weitere Technologierechte in Frankreich. Derzeit will Rheinmetall die Produktionskapazitäten von RWM Italia für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag modernisieren und erweitern.“ (Aus: Otfried Nassauer : Munitionsexporte in deutscher Verantwortung, BITS-Report 17.02 2017, Seiten 11-12).