Die Erschlagung der Revolution

Zur Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg am 15. Januar 1919

Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg waren während der Revolution1918/19 nicht an Kampfhandlungen beteiligt. Sie organisierten auch keinen Aufstand. Sie betrieben während der Revolution täglich in der „Roten Fahne“ Agitation und Aufklärung. Der Oberbefehlshaber Gustav Noske hatte den Befehl gegeben, Liebknechts Telefon zu überwachen und alle seine Bewegungen dem Hauptmann Pabst von der Garde-Kavallerie-Schützendivision zu melden. Pabst war der Leiter des Kommandos, das Liebknecht und Luxemburg später ermordete.

Die Bestrebung der Stadtkommandantur von Berlin war es nach dem Zeugnis ihres stellvertretenden Leiters im November und Dezember 1918, Liebknecht und Luxemburg „bei Tag und Nacht aufzustöbern und zu jagen, so dass sie weder zu einer agitatorischen noch organisatorischen Tätigkeit kommen“. Am 15. Januar 1919 hatte die Hetzjagd ein Ende. Sie wurden in einer Wohnung in Wilmersdorf gefunden und in das Hauptquartier der Garde-Kavallerie-Schützendivision im Hotel Eden verschleppt. Nach Misshandlungen wurden sie mit dem Gewehrkolben niedergeschlagen und in zwei Autos abtransportiert. Karl Liebknecht wurde im Tiergarten zum Aussteigen gezwungen, in den Kopf geschossen und dann im Leichenschauhaus als „Leiche eines unbekannten Mannes“ abgeliefert. Rosa Luxemburg wurde in die Schläfe geschossen und – möglicherweise noch lebend – in den Landwehrkanal geworfen. Währenddessen schrieb de Hauptman Pabst im Hotel Eden einen „Bericht“, der am nächsten Tag in den Zeitungen veröffentlicht wurde. Danach sei Liebknecht bei einem Fluchtversuch erschossen worden. Luxemburg habe eine wütende Menschenmenge mit unbekanntem Ziel verschleppt.

Sebastian Haffner schreibt in seinem Buch „Die deutsche Revolution 1918/19“: …die Verfolgung und Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs waren keine Kampfhandlung im Bürgerkrieg. Sie hatten andere Gründe.

Ein Grund war, dass Liebknecht und Rosa Luxemburg wie niemand sonst in den Augen von Freund und Feind die Revolution verkörperten. Sie waren ihre Symbole und mit ihnen erschlug man die Revolution. Dies gilt für Karl Liebknecht noch mehr als für Rosa Luxemburg.

Der andere Grund war, dass sie wie niemand sonst das falsche Spiel, das von Anfang an mit der Revolution von ihren angeblichen Führern gespielt wurde, erkannten und ihre Erkenntnis täglich laut herausschrien. Sie waren sachverständige Zeugen, die man erschlug, weil man ihrem Zeugnis nichts entgegenzusetzen hatte. Dies gilt für Rosa Luxemburg noch mehr als für Karl Liebknecht.

Der Mord an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg war der Mord an überlegenem Mut und überlegenem Geist, er war der Mord an der unwiderlegbaren Wahrheit.“

Die Darstellung der Fakten folgt dem zitierten Buch von Sebastian Haffner.