Augen zudrücken nützt nichts!

Über „Unkrautvernichter“ und „Wertvernichter“

Die Bayer-Aktie verlor am 20. März 13 Prozent ihres Werts, nachdem das Bundesbezirksgericht in San Francisco einstimmig entscheiden hatte, das das glyphosathaltige Pflanzengift „Roundup“ maßgeblich zur Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman beigetragen habe. Mit dem Kauf des Glyphosat-Herstellers Monsanto hat sich Bayer noch mehr einschlägige Klagen eingehandelt: 11.200 Klagen wurden in den USA gegen Monsanto eingereicht. Daher bezeichnete der Investmentbanker Christian Stenger den Kauf von Monsanto als „größten und schnellsten Wertvernichter“ in der Geschichte des Dax.

Der Kläger hatte über einen Zeitraum von 26 Jahren mehr als dreihundertmal Glyphosat gespritzt und erkrankte am Non-Hodgkin-Lymphom, einem Lymphdrüsen-Krebs. In zwei epidemiologischen Studien aus Schweden und den USA hatten Forscher Anfang des Jahrtausends bei Anwendern des Herbizids eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an diesem Krebs zu erkranken, festgestellt. In Versuchen mit Ratten und Mäusen hatte Glyphosat andere Krebsarten erzeugt. Durch intensive Lobbyarbeit hatten die Glyphosat-Hersteller um Monsanto erreicht, dass diese Studien unter den Tisch fielen und Glyphosat nicht als krebserregend eingestuft wurde. Daher wurde das Mittel nicht nur zugelassen, es unterblieben auch Warnhinweise für die Anwender.

Das aktuelle Urteil ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass in dem Prozess nicht zusammenfassende Studien der Hersteller, sondern Originalstudien herangezogen wurden.