Der Planet B

Der nachfolgende Text wurde als Leserbrief zum Leitartikel „Wirksamer Klimaschutz“ von Niklas Záboji (F.A.Z. vom 14. Juni) an die F.A.Z. gesandt. Er wurde dort am 26. Juni publiziert – allerdings ohne den zweiten Absatz und den ersten  Satz des dritten Absatzes.

Es ist gesunde, weil realitätsbezogene Angst um die Zukunft, die die Schülerinnen und Schüler weltweit auf die Straße treibt. Záboji meint dagegen, die Diskussion um das Klima werde seit dem Dürresommer von Panik bestimmt. Welche Vorstellungen für eine Lösung der Klimakrise die Protagonistinnen von „Friday for Future“ haben, will er „lieber nicht so genau“ wissen. Anscheinend will er auch nicht wissen, was die Fachleute von „Science for Future“ zu sagen haben, denn sonst könnte er nicht wieder mit dem Argument um die Ecke kommen, 98 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen stammten nicht aus Deutschland und damit sei unerheblich für die Welt, was wir hier täten. Berücksichtigt man auch die historischen CO2-Emssionen seit Beginn der Industrialisierung, dann legt der Anteil Deutschlands bei sechs Prozent. Damit haben wir den größten Teil unseres Kontingents ausgeschöpft. Außerdem ignoriert Záboji, dass nicht nur in Deutschland, sondern in mindestens 120 Ländern der Erde die Schüler auf die Straße gehen. Es ist also ein Appell an die Welt und ein Aufruf zur Solidarität, der von diesem Protest ausgeht.

„There is no planet B“ verkünden die Schüler auf Transparenten. Doch, es gibt einen Planeten B, ein Wolkenkuckucksheim sozusagen, in das sich u.a. die Redaktion der F.A.Z. zurückgezogen hat. In ihm gibt es einen Emissionshandel, der den Ausstoß von Klimagasen wirksam begrenzt. In der wirklichen Welt sieht es anders aus, weil die Preise der Emissionszertifikate seit Einführung des Handels weit unter dem wirksamen Niveau liegen. Deshalb haben die „Friday for Future“-Aktivisten Recht, wenn sie sagen, dass bei uns praktisch nichts in Sachen Klimaschutz geschehen ist. Seit 10 Jahren sinken die CO2-Emissionen nicht mehr, die selbstgesteckten Klimaziele hat die Bundesregierung krachend verfehlt. Und erst recht die Zeitvorgaben für den Kohleausstieg, die den Experten von Climate Analytics zufolge eingehalten werden müssen, wenn die Temperaturgrenzen des Pariser Klima-Abkommens nicht überschritten werden sollen: bis 2030 in den EU- und OECD-Ländern, bis 2040 in China und 2050 in den übrigen Ländern.

Sehr geehrter Herr Záboji, die CDU und Kollege von Altenbockum haben schon eindrucksvoll vorgeführt, dass man mit Überheblichkeit nicht besonders weit kommt. Warum es dann nicht einmal mit Neugier auf und Offenheit für die Argumente der Gegenseite versuchen? Und von einem jungen Mädchen wie Greta Thunberg sollte man auch nicht verlangen, dass es jetzt mal eben die Lösung präsentiert. Ihr großes Verdienst ist, dass sie erreicht hat, dass das Problem jetzt endlich ernst genommen wird.

 

Dr. Eduard Belotti