Windkraft und Photovoltaik: keine Strompreistreiber

Im Auftrag der Elektrizitätswerke Schönau untersuchte eine Arbeitsgruppe des Lehrstuhls für Energieverfahrenstechnik an der Universität Erlangen Nürnberg um Professor Karl die Auswirkung der Einspeisung des Stroms aus Wind und Photovoltaik auf die Strompreise der Jahre 2014 bis 2018. Eine Vorläuferstudie für die Jahre 2011 bis 2013 derselben Arbeitsgruppe war von der Siemens AG in Auftrag gegeben worden.

Danach führte die Erhöhung des Stromangebots durch Windkraft und Photovoltaik zu fallenden Großhandelspreisen an der Börse, was zu Nettoeinsparungen für die Letztverbraucher von 70 Milliarden € für den Gesamtzeitraum führte. Davon entfielen 30 Milliarden € auf den Zeitraum 2011 bis 2013 und 40 Milliarden € auf den Zeitraum 2014 bis 2018. Die Einsparungen errechnen sich aus den Mehrkosten, die ohne das Zusatzangebot von Wind- und Sonnenstrom entstanden wären abzüglich der Kosten durch die EEG Umlage:

 

Großverbraucher sparen – Haushalte nicht

Haushalte profitierten davon allerdings nicht – im Gegensatz zu den Großverbrauchern. Davor – von 2000 bis 2008 – hatte sich der Strompreis für Haushalte um 8 Euro-Cent pro Kilowattstunde erhöht, davon entfielen nur 1,12 Euro-Cent pro Kilowattstunde auf die EEG-Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien. Der Anstieg setzte sich bis 2013 fort. „Als im Jahr 2013 die stromintensiven Energien von der EEG-Umlage befreit wurden, kam es … letztmalig zu einem signifikanten Anstieg der Strompreise um etwa 2 ct/kWh“ (Seite 14 der Studie, s. auch die folgende Grafik daraus).

Seit 2013 bleiben die Strompreise für Haushalte konstant. Die EEG-Umlage wird durch die fallenden Großhandelspreise kompensiert.

Bei den Industriekunden hängt der Strompreis davon ab, ob sie als „energieintensive Betriebe“ von der EEG-Umlage befreit sind. Im ersten Halbjahr 2018 bewegte sich der Strompreis für Großabnehmer zwischen 5,1 und 17,0 ct/kWh. Als „energieintensiv“ qualifizierte Unternehmen kaufen also den günstigen Börsenstrom ein, sind von der EEG-Umlage befreit und zahlen im Extremfall nur 10 % des Netzentgelts.

Die Forscher resümieren: „Die Strompreise stromkostenintensiver Unternehmen betrugen 2018 also teilweise nur ein Sechstel der Strompreise privater Haushalte.“

Alle Informationen in diesem Artikel und die beiden Grafiken stammen aus „ Sebastian Kolb, Marius Dillig, Thomas Plankenbühler, Jürgen Karl (2019): „Deutschland ohne erneuerbare Energien?“ –Ein Update für die Jahr 2014 bis 2018. Stromkosten und Versorgungssicherheit ohne die Einspeisung erneuerbarer Energien. Energiewirtschaftliche Schriften des Lehrstuhls für Energieverfahrenstechnik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, Heft 4, Oktober 2019.

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