Mit welchem Recht versagen wir Rettung?

„Ich denke an die kleine Roya, deren Körper, oder das was die Fische davon nach zwei Wochen im Wasser übrig gelassen hatten, meine Crew Anfang des Jahres vor Lesbos bergen musste, wo Sea-Watch die Organisation Refugee Rescue beim Betrieb eines Rettungsbootes unterstützt.

Das war kein schöner Anblick, aber ich möchte Euch diese Vorstellung auch nicht ersparen, denn Roya wurde nicht Opfer einer Naturkatastrophe, sondern einer politischen Entscheidung.

Das Boot war bei Nacht in die Felsen gekracht. Hätte es bei Tag und gutem Wetter übergesetzt, wäre auf der kurzen Strecke sehr wahrscheinlich nichts passiert.

Dass die Boote aber bei Nacht und häufig nicht bei den besten Wetterverhältnissen fahren hat einen einfachen Grund: Bei Tag und flacher See ist es für die Schergen der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex ein Leichtes, die Boote vor Überschreiten der Seegrenze aufzuspüren.

Mit welchem Recht nehmen wir es uns heraus, diesem jungen Mädchen sichere und legale Routen zu verweigern – mit welchem Recht?“

Aus der Dankesrede von Ruben Neugebauer anlässlich der Verleihung des Stuttgarter FriedensPreises 2019 an Sea-Watch e. V. am 15. Dezember 2019 im Theaterhaus Stuttgart.