Vor 100 Jahren: Rechter Putsch gegen die Republik und Massaker an aufständischen Arbeitern

Am 13. März 1920 begann der Kapp-Putsch in Berlin. Soldaten der Marinebrigade Erhardt, aus der später die Terrorgruppe „Organisation Consul“ hervorging, riegelten das Regierungsviertel ab. Die Regierung muss fliehen, erst nach Dresden, dann nach Stuttgart, weil die Reichswehr sie nicht schützt und sich in Teilen sogar auf die Seite der Putschisten schlägt. Der Verwaltungsbeamte Wolfgang Kapp spielt nur eine Nebenrolle, entscheidend war der General Walther von Lüttwitz. Beteiligt waren auch Waldemar Pabst, der die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs organisiert hatte, und im Hintergrund Ex-General Ludendorff. Ziel war die Beseitigung die Republik.

Der Putsch wurde nach wenigen Tagen durch einen landesweiten Generalstreik in die Knie gezwungen. Bewaffnete Arbeiterverbände im Ruhrgebiet und den Industriegebieten Mittel- und Ostdeutschlands besiegten Freikorps- und Reichswehrverbände oder zwangen sie kampflos zur Aufgabe. Als Gegenleistung für ihren Anteil an der Rettung der Republik stellten sie Forderungen. Sie verlangten, den Räten wieder mehr Macht zu geben, das Militär zu demokratisieren, die alte Reichswehr (die die Republik nicht geschützt hatte) zu zerschlagen und durch eine Milizarmee zu ersetzen. Solche Forderungen finden sich bereits im Erfurter Programm der SPD von 1891.

Die gerade gerettete Regierung entsandte aber Militär und Freikorps gegen die aufständischen Arbeiter. Die ersten Truppentransporte starteten auf Befehl von Reichswehrminister Noske (SPD) am 18. März von Stuttgart aus.

„Von der Regierung gebilligt, töten Freikorps und Sicherheitspolizei wahl- und maßlos, schreckten auch vor der Ermordung von Krankenschwestern nicht zurück. Dem ‚weißen Terror‘ im Ruhrgebiet fielen mindestens 1.000, eher 1.500 Angehörige der ‚Roten Armee‘ und Zivilisten zum Opfer, auf Seien der Reichswehr gab es 241 Tote.“( Oliver Stenzel in „Massenmord mit SPD-Billigung“ in KONTEXT Wochenzeitung vom 14. März 2020).

Der Artikel von Stenzel stellt das Buch „Kapp-Putsch 1920 – Abwehrkämpfe – Rote Ruhrarmee“ von Klaus Gietinger vor, das gerade im Schmetterling-Verlag erschienen ist.

Gietinger benutzte für sein Buch viele bislang nicht berücksichtigte Quellen. Danach betrug der Anteil der Freikorps an den Truppen die zur Niederschlagung des Ruhr-Aufstands eingesetzt wurden 85 bis 90 Prozent!

„Die Regierung ließ also an der Ruhr die Arbeiter, die sie zuvor vor dem Putsch gerettet hatten, zum Dank … von Putschisten erschießen“ (Stenzel). Gietingers Buch ist ein wichtiger Beitrag zu einem folgenreichen, aber fast vergessenen Teil der deutschen Geschichte. Lesen!