Die falsche Person an der entscheidenden Stelle

Die Corona-Krise trifft die USA hart

Wochenlang behandelte US-Präsident Trump die Corona-Krise als ein Problem der anderen. Noch am 9. März sprach er davon, dass die Epidemie einer normalen Grippewelle vergleichbar sei.

Dabei hatten US-Genheimdienste schon im Januar vor einer Pandemie gewarnt und Massentests empfohlen. Trump versuchte es mit Einreiseverboten. In nennenswertem Umfang getestet wurde erst ab Mitte März.

Angesichts Tausender Toter muss er nun die Realität zur Kenntnis nehmen und spielt den Krisenmanager.

Kein funktionierendes Gesundheitssystem

Es liegt zwar nicht an Trump allein. Das amerikanische Gesundheitssystem ist immer schon marode. „Wir können nicht von uns behaupten, dass wir ein funktionierendes Gesundheitssystem haben. Dabei sind wir das reichste Land der Welt. Es ist eine Schande.“, empört sich der frühere Arbeitsminister Robert Reich. Präsident Obama hatte versucht, mit Obamacare einige Missstände abzuschaffen. In abgeschwächter Form kam es auch zustande. Trump muss sich vorhalten lassen, dass er als Präsident versucht hat, Obamacare wieder abzuschaffen – zum Glück vergeblich.

Sozialsystem als Brandbeschleuniger

Die wirtschaftlichen Folgen der Krise führte in den USA mangels Kündigungsschutz umgehend zu einem drastischen Anstieg der Arbeitslosenzahlen: Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosengeld schnellte Ende März von 0,5 auf über 6,6 Millionen hoch. Das schädigt die Wirtschaft zusätzlich, da der Konsum zurückgeht. Das Handelsblatt schreibt in seiner Ausgabe vom 3. April: „ Das US-Sozialsystem ähnelt in der Krise eher einem Brandbeschleuniger als einem Sicherheitsnetz. Wer in den USA erkrankt oder entlassen wird, dem droht rasch der Ruin. Das ist nicht nur hart für die Betroffenen. Es verstärkt auch den Absturz der Gesamtwirtschaft, es fehlt an sogenannten automatischen Stabilisatoren“.

Trump: Beschwichtigung und Hetze

Trump agierte nicht als verantwortungsbewusster Führer in Krisenzeiten, sondern als Abwiegler und Bremser. „Es wird verschwinden. Eines Tages, es ist wie ein Wunder, es wird verschwinden.“, sagte er zu einem Zeitpunkt, als noch keine Todesfälle in den USA bekannt geworden waren.

„Am 26. März zweifelte er bei Fox News daran, dass tatsächlich zehntausende Beatmungsgeräte gebraucht werden, wie die Krankenhäuser landesweit forderten. 1.279 Menschen waren da bereits gestorben, 85.615 waren infiziert.“ (Roland Peters, Christoph Wolf und Martin Morcinek: Trumps Versagen in Zitaten und Zahlen. www.n-tv.de, 4.4.2020)

Während Seattle die Schulen schloss und Kalifornien den Notstand ausrief, beschwichtigte Trump weiterhin – und hetzte: Die Demokraten und die Medien heizten die Corona-Situation an, sagte er.

Charakterlich ungeeignet

Die an Peinlichkeiten überreiche Geschichte seiner Amtszeit zeigt, dass Trump für das Amt charakterlich nicht geeignet ist. Seine Äußerungen und Entscheidungen sind sprunghaft und kommen aus dem Bauch heraus. Im Mittelpunkt seines Interesses steht seine eigene Person, sein Wohlstand und sein Renommee.

„Bei einem Ortstermin im US-Zentrum für Seuchenschutz und Prävention (CDC) schwärmte er im Beisein führender US-Gesundheitsexperten davon, wie sehr Wissenschaftler von seinem Fachwissen beeindruckt seien. …Jeder ‚dieser Doktoren hier‘ habe ihn gefragt, behauptete er, wieso er so viel davon verstehe. ‚Vielleicht bin ich ein Naturtalent‘.“ (Martin Morcinek: Coronavirus in den USA Trump irritiert Virus-Experten, www.n-tv.de, 7.3.2020).

„Ich mag die Zahlen wie sie sind“

Aktuell gilt sein Interesse besonders seiner Wiederwahl. Daher sprach er sich dafür aus, „die Infizierten an Bord der ‚Grand Princess‘ zu belassen. Auf diese Weise, erklärte er, würden sie nicht die Fallzahlen in den USA nach oben treiben. ‚Ich mag die Zahlen so wie sie sind‘, gestand er ein. ‚Ich kann es nicht gebrauchen, dass sie sich nur aufgrund eines Schiffes, an dem wir nicht Schuld sind, verdoppeln‘.“ (Morcinek, a.a.O).

Inzwischen betont er eher die Größe der Bedrohung, um als jemand dazustehen, der eine ernste Krise meistert – ein Rolle, die er allerdings nicht ausfüllt. Seine Ausfälle, plötzlichen Wendungen und auf Effekthascherei bedachten Auftritte zeugen nicht von Führungsstärke und qualifizieren ihn nicht als Krisenmanager.