Februar

Den Warnschuss aus Paris nicht gehört?

Nachfolgend zitiere ich meinen eigenen Leserbrief zum Kommentar „Die Bremse fehlt“ im „Handelsblatt“ vom 12. Januar 2016. Dort wird behauptet, der Windkraftausbau gehe zu schnell und müsse gebremst werden. Wieder mal wird leichtfertig nach einer Obergrenze gerufen! Alarmierend ist, dass Wirtschaftsminister Gabriel mit seinen Vorstellungen von „Ausbaukorridor“ und „Ausschreibung für Ökostrom-Anlagen“ diesen Wünschen weitgehend entgegen kommt.

„Der Klimagipfel von Paris liegt gerade mal ein paar Wochen zurück und Sie wollen den Ausbau des Ökostroms bremsen!

Lieber Herr Stratmann, haben Sie den Schuss nicht gehört? Gemeint ist der Warnschuss, der von Paris ausging, nämlich die Aussage, dass auch 2 Grad Erderhitzung noch zu viel sind, weil sie u.a. für Bewohner von Meeres-Inseln und vieler küstennaher Landstriche bereits lebensbedrohlich sind. Das Leben dort wird nicht erst dann unmöglich, wenn bereits ‚Land unter‘ herrscht, sondern schon, wenn das Grundwasser versalzt ist, die Küsten instabil werden etc.. Die Zahl der zu erwartenden Klimaflüchtlinge ist ein Vielfaches der aktuellen, bereits beängstigend hohen Flüchtlingszahlen!

Und was die Belastungen beim Strompreis für die Industrie-Kunden betrifft: Die sind gering, ganz speziell für die großen Stromverbraucher. Diese bezahlen nämlich im Extremfall nur ein Hundertstel der EEG-Umlage und werden zudem bei den Netzentgelten noch begünstigt. Die Liste der begünstigten Branchen und Unternehmen wird immer länger. Nicht umsonst schließen Aluminium-Firmen ihre Produktionsstätten in Australien zugunsten ihrer Kapazitäten in Deutschland. Wer tatsächlich unter den Strompreiserhöhungen leidet, das sind arme Haushalte. Der Anstieg der Strompreise für diese Kunden ist in den letzten Jahren tatsächlich hoch gewesen, aber nur ein Bruchteil davon ist durch die Ökostrom-Förderung verursacht. Und diese zahlen sie noch für die großen Industriekunden mit!

Wie man angesichts dieser Fakten nach der Bremse für den Ökostrom rufen kann, ist mir schleierhaft. Die Ziele der Bundesregierung sind ohnehin nicht ehrgeizig und auch nicht in Stein gemeißelt. Wo steht denn geschrieben, dass diese nicht überschritten werden dürfen? Ein nicht begrenzter oder sogar beschleunigter – auch das ist möglich! –  Zuwachs beim Ökostrom würde uns und vor allem nachfolgenden Generationen enorme Risiken und Kosten für Umweltschäden durch Kohle- und Atomkraft ersparen. In vielen Fällen werden Gefahrenabwehr und Schadenbeseitigung auch bei sehr hohem Kostenaufwand gar nicht gelingen (s. z.B. Inselbewohner), wenn wir so weiter machen.

Ist Ihre Devise etwa: Nach uns die Sintflut? Die kann früher kommen als Sie denken!

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Eduard Belotti“